Espadrilles selbst gemacht

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Mich hat das Espadrilles-Fieber nun auch gepackt und ich habe mich als erstes für eine Variante entschieden, wo die Ränder mit Schrägband hervorgehoben werden.
Ganz davon abgesehen, dass ich solche farblichen „Umrahmungen“ mag, hatte es den Vorteil, dass ich keine Wende-Öffnung per Hand schließen musste, denn sowas mache ich nur im äußersten Notfall.

Wie so oft, habe ich meine Arbeitsschritte mit der Kamera festgehalten und diesmal ist sogar ein Tutorial daraus geworden.

Hier siehst du also Schritt für Schritt, wie ich meine ersten Espadrilles gemacht habe.
Zwar bietet Prym selbst eine bebilderte PDF-Anleitung an, aber diese setzt zum einen schon etwas mehr Näh-Erfahrung voraus und außerdem kann man es ja auch anders machen 😉

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Folgende Arbeitsmaterialien und -werkzeuge solltest du dir bereit legen:

  • Espadrilles Sohlen in der passenden Größe (Bezugsquellen siehe ganz unten)
  • das mitgelieferte Schnittmuster
  • Innen- und Außenstoff
  • Schrägband
  • Rollschneider und/oder Stoffschere
  • Papier, Bleistift, Papierschere
  • Stecknadeln
  • Stoffkleber/Fixierkleber
  • Espadrilles-Kreativgarn (oder anderes dickes und reißfestes Garn)
  • Polsternadel oder dicke, lange Nähnadel
  • Nähmaschine + Nähgarn + Universalnadel

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Da das Schnittmuster für die Schuh-Teile auf beiden Seiten des Beiblattes verteilt ist, muss es zunächst zumindest von einer Seite abgepaust oder mit dem Kopierer kopiert werden. Beim Abpausen bitte nicht vergessen, die Markierungen zu übertragen.

Wir benötigen 0,75 cm (Nähfüßchenbreite) bis 1cm Nahtzugabe. Ich zeichne mir diese immer gleich ins Papier ein. Somit muss ich beim Zuschneiden später nicht daran denken.
Keine Nahtzugabe benötigen wir an der Oberkante des Fersenteils und an der Oberkante des Vorderteils.
Anschließend werden die Schnitt-Teile in der entsprechenden Größe ausgeschnitten.

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Leider liegt den Sohlen keine Vorlage für die Innensohlen bei, also müssen wir selbst kreativ werden:

Du kannst dafür eine Sohle einfach auf ein Blatt Papier legen und mit dem Bleistift einmal eng ringsherum zeichnen.
Damit am Ende nichts von der Innensohle nach außen übersteht, wird die Sohle 2-3 mm neben der gezeichneten Linie ausgeschnitten (auf dem Foto ist die rote Linie die Schnittlinie).
Am besten, du legst die Papiersohle zur Kontrolle noch mal auf die Roh-Sohle und schaust, dass sie überall ca. 2 mm vom Roh-Sohlenrand entfernt ist. Ggf. Kannst du ja noch ein wenig abschneiden.

Jetzt hast du deine 3 Papier-Schnitt-Teile und kannst mit dem Zuschneiden beginnen.

Da alle Teile gegengleich benötigt werden, macht es sich gut, die Stoffe doppelt zu legen. Korrekt legt man beim Zuschneiden die Stoffe rechts auf rechts (also die „schönen“ Seiten nach innen), damit eventuelle Markierungen am Ende nicht zu sehen sind. In meinem Beispiel war das egal, da beide Stoffe von beiden Seiten gleich aussehen, jedoch lege ich mir beim Zuschneiden die Stoffe immer so hin, dass ich das Muster gut erkennen kann, denn der Musterlauf hat Priorität vor dem Fadenlauf (hier im Beispiel sind die Muster gewebt und der Musterlauf entspricht dem Fadenlauf). Markierungen nehme ich mit leicht zu entfernenden Markern, wie Schneiderkreide oder Trickmarker vor.

Die Schnitt-Teile werden also auf den doppelt gelegten Stoff gelegt (Musterlauf beachten), festgesteckt und ausgeschnitten. Solltest du in deinen Papier-Schnitten noch keine Nahtzugabe berücksichtigt haben, musst du das jetzt tun (siehe oben).

Die Sohle wird nur aus dem Innenstoff zugeschnitten!

Denke daran, die Markierungen mit zu übertragen. Ich empfehle dir auch, bei den Vorderteilen, die Innen- oder Außenkanten zu markieren, damit du sie später nicht falsch herum an die Sohle annähst.
Hier im Beispiel habe ich die Innenkanten mit einem Pfeil gekennzeichnet.

Jetzt werden je ein Teil Außenstoff mit je einem Teil Innenstoff rechts auf rechts aufeinander gesteckt (die „schönen“ Seiten nach innen).
Bei den Vorderteilen werden nur die äußeren Rundungen und bei den Fersenteilen nur die kurzen Außenseiten und die Unterkante mit einem Geradestich zusammengenäht, so dass jeweils die Kanten offen bleiben, die später nicht an der Sohle festgenäht werden. Der Anfang und das Ende der Nähte sollten mit Vor- und Rückstichen gut gesichert werden.

Anschließend werden an den Rundungen kleine „Dreiecke“ ausgeschnitten. Je enger die Rundung, desto dichter sollten die „Dreiecke“ zusammenstehen.

Jetzt die Teile wenden und gut ausformen. Das gelingt besonders gut, wenn du die Nahtzugaben mit dem Finger vorher auseinanderdrückst.

Nun die Teile noch gut bügeln und dämpfen.

Im nächsten Schritt werden alle noch offenen Kanten mit einem Versäuberungsstich geschlossen.
Das kann mit der Overlock-Maschine, aber auch mit einem nicht zu breiten Zickzack-Stich der Nähmaschine passieren.

Auch die Innensohlen müssen an den Außenkanten ringsherum versäubert werden.

Wer den lockeren Look mag, kann den folgenden Schritt überspringen. Wer es ein wenig „ordentlicher“ mag, kann sich ein Stück Schrägband zur Hand nehmen und die eben versäuberten Kanten (außer Sohlen) noch akzentuieren. Das gibt später auch mehr Stabilität für den gesamten Schuh.

Dafür jeweils ein Stück Schrägband (etwas länger als die zu bearbeitende Kante) aufklappen und auf der Innenstoffseite Kante an Kante knapp neben der ersten Falz mit einem Geradstich festnähen. Dabei das Band ganz leicht dehnen.
Das Schrägband dann auf die Außenseite umklappen, mit dem Finger etwas fühlen, ob sich die Schrägband-Kanten von Innen- und Außenseite genau gegenüberliegen, und feststecken oder  bügeln (meine persönlich bevorzugte Variante).
Jetzt steppst du das Ganze von der Außenseite noch mal knappkantig (1-2 mm Abstand zur Kante) mit einem ca. 2,5 mm langem Geradstich oder einem Zierstich ab.
Die Bandenden sollten gut mit Vor- und Rückstichen gesichert werden.
Zum Schluss die überstehenden Bandenden noch abschneiden.

Jetzt werden jeweils die Fersenteile mit den Vorderteilen verbunden, indem die Vorderteile an den Markierungen der Fersenteile genau aufgelegt, zusammengesteckt und zusammengenäht werden.

Ich habe im Beispiel einen dreifachen Geradstich gewählt und jeweils nur bis zur Oberkante des Fersenteils genäht.
Es sind aber auch Zickzack- und andere Zierstiche möglich. Je nach persönlichem Geschmack und Mut, kann man auch noch einmal über die ganze Länge des Schrägbands nähen, evtl. auch mit einem kontrastfarbigem Garn.
Auf jeden Fall sparst du dir auf diese Weise das spätere Zusammennähen mit Handstichen, wie es in der Anleitung, die Prym zur Verfügung stellt, angegeben ist.

Bevor jetzt gleich die so vorbereiteten Oberschuhteile an die Sohlen genäht werden, fixieren wir noch die Stoff-Sohlen auf den Bast-Sohlen.

Ich habe dafür den Fixier-Sprühkleber von Prym genommen. Vielleicht geht es auch mit anderem Kleber.
Stoff-Sohlen einsprühen (am besten gut lüften dabei) und sofort auf die Bast-Sohlen kleben.

Da der Prym-Fixierkleber nur zeitlich begrenzt klebt, müssen die Innensohlen beim späteren Zusammennähen auf jeden Fall mitgefasst werden.

Jetzt hast du alles gut vorbereitet, und kannst die Stoffteile mit den Sohlen verbinden.

Zuerst die Oberschuh-Teile mit Stecknadeln auf der Bast-Sohle feststecken.
Achte darauf, dass du die richtigen Teile auf die richtige Sohle setzt (Innen- oder Außenkantenmarkierungen).
Ich empfehle, mit dem Stecken der Fersenteile zu beginnen. Die Außenkanten der Fersenteile sollten sich dabei jeweils genau gegenüber stehen. Korrigiere lieber einmal zu viel, als zu wenig.

Beim Feststecken des Vorderteils ist es hilfreich, dieses mit einer Hand immer etwas nach oben zu ziehen. An der Spitze wird der Stoff – laut Markierung – etwas eingehalten (gekräuselt).

Alles gut festgesteckt?
Dann empfehle ich dir, dass du dir eine große Kanne Tee oder Kaffee holst und ein gutes Hörbuch einschaltest 😉

Es geht weiter mit dem Kreativgarn und einer dicken (Polster-)Nadel.
Bemiss die Länge des Garns so, dass du es locker 3x (im Zweifelsfall 4x) um den Schuh legen kannst.
Bei Schuhgröße 42, wie im Beispiel, kannst du die ganzen 7 m, die auf dem Knäuel Espadrilles-Kreativgarn sind, einmal in der Mitte durchschneiden (für einen Schuh also 3,5 m).
Prym empfiehlt in seiner dürftigen Anleitung 1m zu nehmen, aber das ist definitiv zu kurz für Erwachsenen-Schuhe oder man muss zwischendurch mit einem neuen Faden beginnen.

Bei 3,5 m musst du am Anfang natürlich immer recht lange das Band durchziehen und es besteht die Gefahr des Verknotens, aber diese ist aufgrund der Fadendicke nur gering. 

Das Garn fädelst du also in deine dicke und lange Nähnadel oder in eine gebogene Polsternadel ein und machst ins andere Ende einen einfachen Knoten.

Die Stiche gehen immer von unten – also von der Sohle aus – durch den Stoff durch.
Suche dir eine Stelle an der Sohle, die dir am unauffälligsten scheint (ich habe in der inneren Fußwölbung begonnen) und stich ca. 5 mm vom oberen Sohlenrand entfernt in die Sohle ein und lasse die Nadel ebenfalls 5 mm entfernt von der Außenkante an der Oberseite der Sohle wieder austreten. Dabei sollen alle Stofflagen mitgefasst werden. Achte besonders darauf, dass du die Innensohle mit deiner Nadel mitfasst!

Ziehe das Garn fest an, so dass der Knoten im Bast verschwindet. Schneide das Garnende noch nicht ab, sondern lass es als Markierung für das Ende noch herausgucken.

Der nächste Stich bahnt sich mit etwa 5 –  10 mm Abstand zum ersten Stich (an engen Rundungen eher kleinere Abstände, an fast geraden Kanten können die Stiche einen größeren Abstand haben), denselben Weg durch Sohle und Stofflagen.
Wenn du das Garn fast durchgezogen hast, fädelst du deine Nadel jetzt jedoch durch die kleine Garnschlinge durch und ziehst abermals den Faden fest an.
Das ist der sogenannte Feston-Stich.

Nach dem 3. Stich sieht es dann schon so aus 🙂

Denke daran, nach jedem Stich, den Faden ganz fest anzuziehen!

Und nach ein paar weiteren Stichen dann so:

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So geht es nun ringsherum weiter.

Sollte sich die Nadel durch die vielen Stofflagen nur schwer ziehen lassen, kannst du auch eine Zange zur Hilfe nehmen.

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Wenn du wieder am Anfang angekommen bist, musst du das Garn vernähen.
Dazu kannst du die Nadel wieder dort einstechen, wo dein erster Stich hinein ging (dort sollte jetzt noch der Garnrest heraus schauen. Dann ziehst du wieder das Garn so weit durch, bis nur noch eine kurze Schlinge übrig ist und ziehst hier die Nadel durch. Wenn du das noch 2x wiederholst (entweder  dieselbe Einstichstelle benutzen oder knapp daneben einstechen), verknotet sich dein Garn auf diese Weise.

Damit sich der Knoten nicht wieder löst, sollte der Garnrest nicht zu dicht am Knoten abgeschnitten werden. Deshalb wird das Garn jetzt noch einmal ein paar Zentimeter durch das Sohlen-Innere gezogen:

Noch einmal geht es also mit der Nadel in die letzte Einstichstelle. Vorsichtig bahnst du dir mit deiner Nadel einen Weg durch die Sohle und kommst damit an einer anderen Stelle der Sohle wieder heraus.
Vorsicht! Nicht versehentlich durch die Gummisohle oder den Stoff der Innensohle stechen!

Dann das Fadenende noch einmal fest anziehen und eng an der Sohle abschneiden.
Den herausschauenden Fadenanfang ebenfalls abschneiden.

Den zweiten Schuh genauso zu Ende nähen. Zwischendurch nicht vergessen, Tee oder Kaffee zu trinken und …

anprobieren! 🙂

Am linken Schuh siehst du, wie es aussieht, wenn sich die Kanten vom Fersenteil nicht genau gegenüber stehen, wenn du die Oberschuh-Teile an die Ferse nähst.

Viel Spaß beim Nacharbeiten!

Bezugsquellen:
Die Espadrilles-Rohsohlen und das Kreativ-Garn bekommst du z.B. hier oder hier oder auch hier.
Die Polsternadel (mind. Gr. 70) hat sich gut bewährt. Diese bekommst du z.B. hier oder hier oder auch hier.

Gerne kannst du auf meiner Facebook-Seite zeigen, wie deine kreativen Espadrilles aussehen!

Und da wir heute Dienstag haben, schaue ich doch gleich mal, was die anderen fleißigen Kreativler beim creadienstag wieder für schöne Anregungen haben und verlinke erstmals auch ein Werk von mir 🙂

4 thoughts on “Espadrilles selbst gemacht

  1. Ella

    Hallo 🙂 Danke für die Anleitung! Jetzt hab ich für das Wochenende ein neues Projekt 😉
    Deine Stoffauswahl gefällt mir sehr gut! Wenn ich fragen darf, wo hast du deinen Außenstoff gekauft?
    Schönen Tag noch.

    Liebe Grüße Ella

    Reply
    1. identiconLebemaja Post author

      Liebe Ella,
      vielen Dank für deinen Kommentar!
      Den Außenstoff habe ich bei IKEA gekauft 🙂
      Viel Spaß beim Nähen und Werkeln!
      Liebe Grüße!
      Jenny

      Reply
  2. Glasperlenfee

    Deine Espadrilles sehen toll aus! Auch die Umrahmung mit dem Schrägband gefällt mir sehr gut, sieht schick aus. Für das heutige Regenwetter wie hier bei uns sind sie zwar nicht geeignet, aber ab morgen wird es ja wieder Sommer.
    Liebe Grüße
    und Danke für Deinen Besuch bei mir
    Inge

    Reply
  3. Sapri

    Deine Espadrilles sind wirklich schön geworden!
    Da bekomm ich gleich trotz Regenwetter Lust mir auch ein Paar zu machen 🙂

    Lieben Gruß
    Sarah

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Ich freue mich über jedes Feedback! Vielen Dank!