Tipps zum Nähen einer Softshell-Hose für Kinder

Normalerweise gebe ich ängstlichen HobbynäherInnen oder solche, die es werden wollen, immer den Tipp: einfach loslegen! Das Schlimmste was passieren kann ist, dass du es wieder auftrennen und neu anfangen musst. Aber da muss sowieso jeder mal durch!

Softshell gehört allerdings zu den wenigen Ausnahmen (wie auch Wachstuch und (Kunst-) Leder), wo es einfach schöner ist, wenn die erste Naht gleich sitzt, denn ein einmal gestochenes Löchlein bleibt immer sichtbar.
Außerdem handelt es sich bei Softshell ja um einen Funktionsstoff und ein zerlöcherter Softshell kann seine Funktion als Outdoor-Stoff leider nicht mehr so 100 %ig erfüllen.

Und da gutes Softshell auch noch ziemlich teuer ist, möchte ich dir an dieser Stelle – am Beispiel einer Softshell-Hose – ein paar Tipps geben, wie du – auch wenn du kein Profi bist und keine Industrienähmaschine besitzt, dennoch gute Funktionskleidung selbst nähen kannst.

Softshell-Hosen finde ich für Kinder im Herbst und Frühling sehr praktisch – besonders für Kindergarten-Kinder, die weder den ganzen Tag in bewegungseinschränkenden dicken Hosen umherlaufen möchten, aber auch keine Lust auf kompliziertes Umziehen bzw. überziehen von gerade so passenden Jeans-Hosen haben, wenn sie ihren Spielort von drinnen nach draußen verlagern.

Man nehme also ein Schnittmuster einer recht legeren Hose mit gerade verlaufenden Beinen.
In meinem Beispiel ist es Mika von Farbenmix.
Mika macht sich nicht nur gut, weil der Schnitt recht locker sitzt, sondern auch wegen der vielen Teilungsnähte, die es z.B. zulassen, kleinste (wertvolle) Softshell-Reste noch unterzubringen, für die es sonst kaum noch eine Daseinsberechtigung gäbe.
So ist meine allererste selbstgenähte Softshell-Hose überhaupt nur entstanden, weil ich als Resultat zweier genähter Kinder-Softshell-Jacken, einige unförmige und nicht besonders große Stücken Softshell in zwei verschiedenen Farben übrig hatte.

Aber natürlich eignen sich auch Hosenschnittmuster, die aus nicht so vielen Stücken bestehen. Das hat auch Vorteile, denn jede Naht, die du mehr nähst, ist natürlich ein Schlupfloch für Wind und Feuchtigkeit.

Wie du diese „Schlupflöcher“ abdichten und gleichzeitig die Funktionalität der Hose erhöhen kannst, zeige ich dir gleich. Aber alles zu seiner Zeit 😉

Hilfreiche Arbeitsmittel für das Arbeiten mit Softshell sind:

Beginnen wir mit dem Zuschneiden:
Am besten gelingt dieses mit einem Rollschneider auf einer Schneidematte. Dafür müssen die aufgelegten Papierschnitt-Teile nur mit ein paar schweren Gegenständen auf dem Stoff fixiert werden und dann kannst du ganz einfach und sauber um die Teile rumrollern.
Wenn du keinen Rollschneider besitzt und dir keinen anschaffen möchtest, kannst du natürlich auch eine Schere nehmen. Hierfür musst du allerdings die Papierschnitt-Teile mit Nadeln auf dem Stoff feststecken. Achte bitte darauf, dass du das Papier nur auf den Nahtzugaben feststeckst und nicht in später sichtbare Bereiche stichst.

Markierungen kannst du am Stoffrand mit sehr kurzen Einschnitten auf der Nahtzugabe vornehmen.
Allerdings bleiben diese bei Softshell beim genauen Hinsehen (innen) immer sichtbar. Deshalb bevorzuge ich in diesem Fall doch Schneiderkreide, bzw. habe ich Kreidestifte mit Zahnrad* kürzlich für mich entdeckt, da sie sehr präzise sind.
Auch Markierungen für Hosentaschen z.B., lassen sich damit sehr gut und genau vornehmen.
Ein Selbstlöschender Trickmarker* funktioniert natürlich auch, das setzt aber voraus, dass man in wenigen Stunden mit der Hose fertig ist, da die Markierungen ja dann wieder verschwinden.

Kommen wir nun zu einer sehr angenehmen Eigenschaft von Softshell: Es franzt nicht aus!
Die Stoffränder müssen also nicht zwangsläufig versäubert werden!
Wenn du eine Overlock-Maschine hast und dieses dennoch tun möchtest, weil es dann einfach professioneller aussieht, solltest du das VOR dem Zusammennähen tun.

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Softshell franzt nicht aus und braucht nicht zwingend eine Versäuberung. Professioneller sieht es aber mit overlock-versäuberten Nähten aus

Um die winzigen Löcher, die beim Nähen entstehen, möglichst noch winziger sein zu lassen, solltest du mit einer sogenannten Microtex-Nadel (Stärke 90) nähen. Diese ist an der Spitze sehr fein und besonders spitz. Nach deinem Projekt, solltest du sie dann auch entsorgen und beim nächsten Softshell-Projekt lieber eine neue nehmen, denn die sehr feine Spitze ist natürlich anfälliger, was die Abnutzung angeht, als eine Universal-Nadel.

Die Teile solltest du – wenn überhaupt – nur auf den Nahtzugaben mit Nadeln feststecken. Besser geeignet sind aber sog. Stoffklammern/Stoff-Clips*, notfalls auch Büroklammern.

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Stoff-Clips sind eine geeignete Alternative zu Stecknadeln, denn sie hinterlassen keine Löcher im Softshell

Wähle eine etwas längere Stichlänge, mind. 2,5 mm, aber da der Stoff recht dick ist, kann es ruhig in Richtung 3 mm gehen. Das gilt besonders für das Absteppen von außen. Erstens wird das Stichbild dann gleichmäßiger, zweitens produzierst du weniger „Schlupflöcher“.

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Eine größere Stichlänge sorgt für ein sauberes Stichbild und hinterlässt weniger winddurchlässige Löcher

Da Haushaltsnähmaschinen in der Regel nur eine begrenzte Kraft aufbringen können, um die Nadel durch den Stoff zu jagen, solltest du alle Nahtzugaben nach dem Zusammennähen immer auseinanderdrücken (oder auf niedriger Stufe auseinanderbügeln) und hinterher von rechts auf beiden Seiten mit etwa 5 mm Abstand zur Naht absteppen.
Ansonsten bekommst du spätestens dann ein Problem, wenn zwei Nähte aufeinander treffen.

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Die Nahtzugaben müssen bei Softshell auseinandergelegt werden, da Nahtkreuzungen für eine Haushaltsnähmaschine sonst zu dick wären

So notwendig, wie dieses Auseinanderlegen der Nahtzugaben ist, so unvorteilhaft ist es wiederum, was die Wind- und Feuchtigkeitsdichte der Naht angeht.
Deshalb empfehle ich, entweder die Nähte beim Absteppen gleich mit einem Webband zu überdecken – vorteilhaft für die dunkle Jahreszeit sind auch reflektierende Bänder – oder ein Paspel (z.B. Reflektorpaspel) einzunähen. Achtung, dieses muss bereits beim Zusammennähen der Teile gemacht werden!
Um die Bänder gut zu fixieren, empfehle ich ein doppelseitiges Klebeband.

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Web- oder Reflektorbänder helfen, die winddurchlässigen Nähte abzudichten und sehen schön aus. Auch eingenähte Paspelbänder sind dafür gut geeignet.

Wenn du aus optischen Gründen jetzt nicht unbedingt alle Nähte von außen mit Bändern versehen willst, ist das auch verständlich.
Dann helfen Bänder von innen 😉
Diese sollten unbedingt gut auf den auseinandergeklappten Nahtzugaben fixiert sein, z.B. mit doppelseitigem Klebeband, denn Absteppen solltest du trotzdem von außen.
Mit meiner Innenansicht kann ich nicht unbedingt einen Preis gewinnen, aber hätte ich mich beim Nähen an dieser Stelle auf das Webband konzentriert – also dieses von innen aufgesteppt – würde es jetzt von außen so schrecklich aussehen.

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An manchen Stellen sind Webbänder von innen besser geeignet 😉

Reflektoren finde ich für Outdoorkleidung, die für die „dunkle Jahreszeit“ bestimmt ist, immer sehr wichtig. Anstelle von reflektierenden Bändern, kannst du natürlich auch reflektierende Applikationen verwenden. Entweder selbst aus Reflektorfolie* erstellt , oder aber käufliche zum Aufbügeln*.
Wichtig ist nur, dass auch hierfür die Hose (oder Jacke) möglichst wenig zerlöchert wird. Deshalb solltest du deine Motive mit einem schmalen Zickzack-Stich erst auf Stickfilz applizieren, dann die Applikation mit einem schmalen Filz-Rand ausschneiden und dann mit einem Geradstich am Kleidungsstück anbringen.
Aufbügelbare Applikationen solltest du ebenfalls erst auf Stickfilz aufbügeln, da das Softshell in den meisten Fällen die notwendigen hohen Bügeltemperaturen nicht aushält, was schade um den Stoff und schade um das Bügeleisen wäre.

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Die Applikation habe ich aus Reflektorfolie ausgeschnitten und zunächst auf Stickfilz appliziert. Dann mit einem schmalen Rand nochmals ausgeschnitten und erst dann auf den Softshell mit einem Geradstich aufgenäht.

Damit nicht ganz so viel Wind von unten in die Hose pustet, kannst du in die Säumen noch Gummibänder einziehen.

Beim Hosenschnitt Mika sind direkt Saumbündchen vorgesehen, wo ich einen breiten Gummi eingezogen habe.
Achtung: nicht zu eng, damit auch der Stiefelschaft noch mit in die Hose passt 😉

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Gummibänder in den Säumen schützen vor Wind und Kälte von unten.

Auch als sehr praktisch erwiesen haben sich die Knieverstärkungen aus Wachstuch. Ich habe sie einfach ein wenig kleiner zugeschnitten als das Knieteil der Mika-Hose, mit der Overlock versäubert (das ist theoretisch nicht nötig, sieht aber cooler aus) und dann mit einem Geradstich aufgenäht.
Wenn du keine Overlock hast, kannst du ja einen Overlockstich einer ganz normalen Nähmaschine nehmen.
Diese Zierstiche solltest du aber vor dem Aufnähen der Knieschoner aufbringen, um unnötig viele Nadelstiche zu vermeiden. Aufgenäht werden sie dann ebenfalls mit einem normalen Geradstich.

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Für kleinere Kinder lohnt es sich, die Knie z.B. mit Wachstuch zu verstärken.

Und natürlich darf ein Aufhänger nicht fehlen! Denn die Hose wird natürlich auch viel Zeit in der Garderobe verbringen. Mit einem Aufhänger bleibt sie an ihrem Platz!
Der Aufhänger kann ein Stück Kordel sein, oder ein kleines Stoffstück, was zurechtgebügelt und -genäht wird, oder ein zusammengefaltetes Stück Schrägband, was an der offenen Seite zusammengenäht wird …
Was auch immer: du fixierst das Bändchen für einen guten Halt vor dem Annähen des Bundes mit ein paar Hin- und Rückstiche auf der Nahtzugabe und fasst es beim Annähen des Bundes noch einmal mit. Somit sollte es bombenfest halten!
Ich nähe bei dieser Gelegenheit gerne noch ein Größenetikett ein: ein bestempeltes und gefaltetes Stück Köperband. Den Stempel gibt’s bei Peppauf.

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Ein Aufhänger mach die Hose perfekt und garderobentauglich!

Fertig ist eine kuschelige, warme und bequeme Hose zum Toben – auch bei Schmuddelwetter!

Beachte nur, dass die Hose zwar sehr gut wasserabweisend ist, aber nicht wasserdicht!

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Viel Spaß beim Nähen :-)!

Verlinkt mit creadienstag.de.

One thought on “Tipps zum Nähen einer Softshell-Hose für Kinder

  1. Ella Vary

    Vielen Dank für die tollen Tipps. Du hast da wirklich viel Arbeit reingesteckt. Bisher habe ich mich auch noch nicht an dieses Material gewagt. Da bin ich dann schon sehr dankbar, wenn ich gesagt/gezeigt bekomme, worauf ich achten muss.
    Liebe Grüße
    Manuela

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